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Donnerstag, 17. März 2011

Flashover-Training – Atemschutzausbildung mal anders

Pyrolysegase, schwarzer dicker Rauch an der Decke, absenken der Rauchschicht, Dancing Angels, rascher Temperaturanstieg und dann der Flashover. All diese Phasen eines Brandes lassen sich hautnah im Flashover-Container beobachten und bekämpfen.

Am Donnerstag kamen 3 Kameraden wieder in den Genuss einer Heißausbildung im Brandübungscontainer des Landes Feuerwehr Verbandes (LFV). Dieser Übungscontainer bietet Atemschutzgeräteträger die Möglichkeit, das Entstehen eines Brandes unter sicheren und kontrollierten Verhältnissen zu beobachten und diesen dann schlussendlich auch zu bekämpfen.

Erst die Theorie, dann wird’s ernst…

Bevor es heiß wird, kommt erst das wichtige theoretische Hintergrundwissen. In einer lockeren und kameradschaftlichen Atmosphäre wurden die Grundlagen von Brandverläufen in Innenräumen und die Erkennung von Gefahren und deren Risikoeinschätzung erarbeitet. Des Weiteren wurde auf unterschiedliche Schutzkleidung und deren Einsatzgrenzen eingegangen. Danach folgte ein kurzer Exkurs zum Thema Rauch lesen und deuten.

Ab in die Feuerhölle - Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Ohne persönliche Kontrolle der Ausrüstung durch den Ausbilder kommt hier keiner rein.


  • Feuerwehrhelm
  • Flammschutzhaube (mindestens 2 Lagig)
  • Feuerwehreinsatzhose und Überjacke (3 Lagig)
  • Feuerwehrstiefel
  • Atemschutzgerät

Nachdem bei allen Teilnehmern die erforderliche Schutzausrüstung vorhanden war, ging es ab in den Brandübungscontainer. Die Anspannung bei den Teilnehmern stieg mit jeder Kurve die uns näher an den Einsatz heran brachte. Nach einem ersten kalten Durchlauf kam der Befehl „zum Einsatz fertig“ und wir legten unsere Pressluftatmer an. Nach einer weiteren Kontrolle durch den Ausbilder ging es in den Container.

Entstehungsbrand

Jeder Teilnehmer wurde einzeln in den Brandraum vorgenommen und konnte somit eindrucksvoll den Entstehungsbrand beobachten. Die ersten Pyrolysegase stiegen an die Decke und in den Übungsraum hinunter Richtung Ausgang. Mit jedem Spritzer Brandbeschleuniger steigen die Temperaturen an und immer mehr unverbrannte Gase bildeten eine immer dunkler werdende Rauchschicht.

Flashover

Kurz nach dem Entstehungsbrand wurden die Flammen immer größer und man konnte das langsame absinken der Rauchschicht deutlich sehen und fühlen. Die Strahlungshitze stieg von Minute zu Minute und war auch durch unsere sehr guten Einsatzjacken gut wahrzunehmen. Die Rauchschicht senkte sich immer schneller, die Sicht wurde immer schlechter und auf einmal

„Rechts – Links – Mitte“

Das war alles war der Ausbilder schrie, da uns die Flammenzungen auf genau diesen Seiten entgegenschlugen. Genau in dieser Reihenfolge musste der Strahlrohrführer die Sprühstöße abgeben, um uns vor den Flammen zu schützen. Kurz darauf das gleiche, diesmal aber von der anderen Seite.
Dann das Kommando zum Wechseln, immer mit Blick auf den Brandherd, „Achtung“, der Ausbilder mussten eingreifen und die bereits wieder auftretende Rauchgasdurchzündung niederschlagen. Dann kurz darauf die erneute Durchzündung, jetzt geht es Schlag auf Schlag.

Alles klar zum Rückzug…

Nach gut 20 Minuten war auch der letzte Teilnehmer an der Reihe und die Temperaturen auch kaum mehr zum aushalten. Im Brandraum herrschten Temperaturen von bis zu 1000 °C und auch über unseren Köpfen waren es immer noch ca. 300 °C. Nachdem wir den sicheren Unterstand erreicht hatten war es extrem wichtig die Ausrüstung in der richtigen Reihenfolge abzulagern, da auch die Ausrüstung sich ziemlich schnell aufheizt.

Verschwitzt, durstig und lehrreich

Das Fazit dieser außergewöhnlichen Ausbildungseinheit ist durchweg sehr positiv, beginnend bei der theoretischen Vorarbeit, bis hin zum praktischen Teil im Container. Wo sonst kann man einen Brand auf so sichere Weise beobachten und lernen ihn richtig zu bekämpfen ohne gleich das ganze Haus unter Wasser zu setzen. Des Weiteren steigern genau solche Übungen das Vertrauen in uns und unser Ausrüstung. So war es beeindruckend welche extremen Situationen unsere Schutzkleidung wegsteckt, ohne dass wir dabei Verbrennungen erleiden.

Der einzige Wermutstropfen ist, dass diese Art der Ausbildung nicht mehr fortgeführt wird, da die beiden Träger, die Versicherungskammer Bayern und die Sparkasse, ihre Unterstützung für dieses Projekt einstellen.

Wir bedanken uns bei der Werksfeuerwehr Metzeler und im Besonderen bei den Organisatoren Arthur Sinz und KBM Christian Buhmann.

© 2010-2016 Freiwillige Feuerwehr Lindenberg im Allgäu, Hauptstraße 24, 88161 Lindenberg
 Mit freundlicher Unterstützung von EBERL ONLINE, Immenstadt
Letzte Änderung: 01.04.2011 / 23:46 Uhr
Ausgedruckt am 27.05.2019 / 08:12